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 Betreff des Beitrags: Leo Diamond
BeitragVerfasst: 17.06.2010, 14:29 
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Deltoidalikositetraeder
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Mein Name ist Leo Diamond, Privatdetektiv und Gottessohn. Den letzten Teil findet man wohl nicht in diesen Pulp-Schundheftchen und Detektivgroschenromanen, die man am Kiosk nachgeworfen kriegt. Und ich kann ehrlich sagen, dass ich allein aus diesem Grund mit jedem versoffenen Groschenromanprotagonisten tauschen würde.
Vielleicht sollte ich zunächst erwähnen, dass ich nicht das bin, was man sich gemeinhin unter einem Messias vorstellt. Ich bin in keiner Krippe geboren, kann nicht übers Wasser laufen oder Tote erwecken. Ich bin auch nicht gerade ein Märtyrer. Verdammt, ich bin nicht einmal nett! Ich verdiene meinen Lebensunterhalt größtenteils damit, untreuen Ehemännern nachzuspionieren, weil sich sowohl bei den Marines als auch bei der Polizei irgendwann mein Problem mit Autoritäten Bahn gebrochen hat.
Das Militär hat eine ziemliche Tradition in meiner Familie. Mein Urgroßvater ist im ersten Weltkrieg in Verdun gefallen, mein Großvater im zweiten Weltkrieg irgendwo in Frankreich. Und als meine Mutter gerade mit mir in den Wehen lag, kam die Nachricht, dass mein Vater in Vietnam verschollen war. „Nur“ verschollen, aber als die `Cong kurz darauf Saigon überrannten, wurde dieses Wort gleichbedeutend mit „tot“.
Kaum hatte ich das Mindestalter erreicht, trat ich ebenfalls dem Marine Corps bei. Meine Mutter war dagegen, aber die Witwenrente der Army ist nicht gerade üppig und für einen Jungen mit eher mittelmäßigen Noten auf der High School, der zudem noch aus ärmlichen Verhältnissen kommt, bieten sich nicht viele Perspektiven und ich habe meinen Vater damals verehrt – oder eher, vergöttert – für das Opfer, das er für sein Vaterland gebracht hatte. Was war ich für ein junger, patriotischer Schwachkopf.
Ich war sechzehn Jahre alt, als man entschied, im zweiten Golfkrieg einzugreifen. Angesichts der Geschichte meiner Ahnenlinie hatte ich längst damit abgeschlossen, in irgendeinem Land, in dem ich niemanden verstehen würde, erschossen zu werden, als ich zur Operation Desert Storm eingeschifft wurde; und ich war nicht überrascht, als unser Platoon in einen Hinterhalt geriet. Mein Wagen fuhr an zweiter Stelle in der Kolonne, als der erste von einer Panzerabwehrwaffe getroffen wurde und in einem eindrucksvollen Feuerball verschwand. Es folgte ein Hagel aus Granaten- und MG-Feuer, der unseren Konvoi fast völlig zerlegte, ehe wir eine ordentliche Verteidigung aufbauen konnten. Es dauerte nur ein paar Minuten. Als sich der Staub gelegt hatte, kamen die Irakis die Dünen hinunter, um zu sehen, ob jemand überlebt hatte. Ich lag blutüberströmt in den Trümmern meines Geländewagens, mein linker Arm war offensichtlich gebrochen und in meinem ganzen Körper steckten Kugeln, aber trotzdem war ich ein solcher Überlebender – und zudem einer, der nicht vorhatte, sich jetzt doch noch umbringen zu lassen. Als der Araber die Überreste der Wagentür beiseite trat, raffte ich mich mit der Kraft eines Wahnsinnigen auf und sprang auf ihn zu, hieb mit meinem Bowiemesser nach seinem Gesicht. Mein Feind hob die Hände zur Abwehr, eine streckte er vor und bekam etwas an meinem Hals zu fassen.
Ich hatte von meinem Vater eine Halskette geerbt, die er wie ein Urlaubsandenken aus Vietnam geschickt hatte, als meine Mutter mit mir schwanger war. Es war eine einfache Lederschnur, auf die eine Reihe von, wie ich glaubte, Haifischzähnen aufgefädelt war – ziemlicher Kitsch und eigentlich gar nicht mein Geschmack, aber das einzige persönliche Andenken, das ich an meinen Vater hatte. Ich legte es niemals ab. Und nun schloss sich die Hand dieses Iraki darum.
Die Schnur riss und ich sah, wie die Zähne in den Sand tropften. Ich spuckte ein wenig Blut bei dem Wort, das ich daraufhin unter Anstrengung hervorbrachte.
„Hurensohn!“
An diesem Punkt setzt meine Erinnerung aus. Ich nehme an, dass ich das Bewusstsein verlor, zumindest erlangte ich es einige Tage später in einem Militärhospital wieder – dem Bericht nach fand die Verstärkung nur noch die Leichen der Angreifer, allesamt von Schnitt- und Stichwunden übersät, und mich dazwischen, bewusstlos, ein Messer in der Hand und die völlig intakte Kette um den Hals gelegt.

wird fortgesetzt.

_________________
Nananananananana BAT-PANTS!

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